Home » Internet » Springer vs. ARD

Springer vs. ARD

Es klingt schon etwas nach Nachtreten, wenn ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke die kommende iPhone-App “Tagesschau” mit den Worten rechtfertigt:

Es ist nicht unsere Aufgabe, ein Ranking der schönsten News-Ladys zu präsentieren oder eine Tiger-Woods- Fotostrecke.

Ziel der Aussage scheint der Springer-Verlag zu sein, der vor kurzem verschiedene kostenpflichtige Programme für das iPhone vorgestellt hatte. Und der greift sich den zugeworfenen Ball dann auch gleich:

Wir haben die Ankündigung der ARD, ein kostenloses Applet der ‚Tagesschau’ in Apples Appstore anzubieten, mit Befremden zur Kenntnis genommen. Wir gingen davon aus, dass die vorhandenen Gebühren schon nicht mehr zur Finanzierung des bestehenden Angebots ausreichen. Deshalb wundern wir uns, dass im Vorfeld der geplanten Gebührenumstellung das Angebot sogar erweitert werden soll.

Springer, das mit einem kostenpflichtigen Abo-Modell hierzulande vor kurzem Neuland betreten hat, und dessen Initiative von der Branche aufmerksam beobachtet wird, sieht in dem Tagesschau-Angebot eine Wettbewerbsverzerrung:

Es gehört ganz sicher nicht zum Grundversorgungsauftrag öffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten, kostenlose Applets auf dem iPhone zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich hierbei um eine nicht tolerierbare Marktverzerrung. Die privaten Verlage, darunter auch unser Haus, versuchen derzeit, Qualitätsjournalismus im Netz durch den Aufbau von Bezahlmodellen zu finanzieren mit dem Ziel, die Geschäftsgrundlage für Qualitätsjournalismus in der digitalen Zukunft zu sichern und auch dauerhaft Meinungsvielfalt zu gewährleisten.

Bei der ARD ist man sich jedoch keiner Schuld bewusst. Kai Gniffke erkärte der dpa:

Ich habe Verständnis für die Sorgen der Printkollegen und der Verlage, die auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen im Netz sind. Ich bin mir da der Verantwortung unserer besonderen Rolle bewusst.

Die anderen Anbieter würden sich jedoch inhaltlich auf andere Schwerpunkte beziehen, weshalb man mit dem eigenen Programm nicht in direkte Konkurrenz zur Bild-App oder zur Welt-App trete.
Die Angst von Springer ist dann auch eher unbegründet. Schließlich rühmte man sich auf Bild.de vor kurzem noch damit, erstmals Spiegel.de als Nachrichtenportal mit den meisten Zugriffen überholt zu haben. In dieser Liste liegt tagesschau.de abgeschlagen auf Platz Sieben.

No Comments on “Springer vs. ARD”