Alicia Keys, Blackberry und die Tücken der Technik

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Es ist noch gar nicht lange her, da hat sich der kanadische Smartphone-Produzent RIM einen neuen Namen verpasst. Blackberry heißt das Unternehmen jetzt. Und weil es dringend ein Erfolgserlebnis braucht, hat es auch gleich zwei neue Geräte vorgestellt. Das Z10, das ausschließlich per Touchscreen bedient wird und das Q10, das zusätzlich noch über eine Tastatur verfügt. Doch damit noch nicht genug. Blackberry möchte – so wünscht es sich zumindest der deutsche Unternehmenschef Thorsten Heins – zurück zu alter Coolness. Denn in diesem Bereich haben die Konkurrenten von Apple und Samsung die Kanadier längst überholt und mittlerweile weit hinter sich gelassen. Was liegt also näher, als einen angesagten Star als Global Creative Director ins Boot zu holen? Dumm nur, wenn der nicht das macht, was ihm gesagt wird.

Ende Januar wurde in New York mit großem Tamtam das neue Betriebssystem Blackberry 10 vorgestellt. Gleichzeit präsentierte das Unternehmen zwei neue Smartphones und zauberte mit Alicia Keys einen Creative Director aus dem Hut. Keys dürfte mit ihren 32 Jahren kaum noch als Teeny-Star durchgehen. Aber das würde auch gar nicht zu einem Unternehmen wie Blackberry passen, das sich in der Vergangenheit vor allem auf den Unternehmensbereich und auf Geschäftsleute konzentriert hat. Die Frage lautet also: Was hat Thorsten Heins geritten, als er sich für die 14-fache Grammy-Gewinnerin als Botschafterin seines Konzerns entschieden hat?

The Verge versucht auf diese Frage eine Antwort zu finden. Die Tech-Seite schreibt:

[quote style=“boxed“]Das zentrale Problem ist, dass die meisten Technologiefirmen nicht cool sind. Sie wissen nicht einmal, was cool bedeutet. Vielleicht stellen sie coole Produkte her. Aber nicht einmal darin ist Blackberry stark. […] Weil das iPhone ziemlich cool war, will Blackberry das auch sein. Also überschüttet man einen Star mit Geld und bittet ihn zu sich auf die Bühne. Das Ziel der Aktion: Blackberry hofft, dass ein wenig Glanz vom Star auf die eigene Marke abfärbt.[/quote]

 

Und damit ist das Unternehmen längst nicht allein. Apple holte nach Produktvorstellungen wiederholt Künstler und Bands wie Coldplay, U2 und die Foo Fighters auf die Bühne. Firmen wie Polaroid (Lady Gaga), Reebok (Swizz Beat) und Intel (Will.i.am) setzen wie Blackberry schon länger auf den so genannten „Creative Director“. Dabei sind die Aufgaben der Markenbotschafter eher überschaubar.

Alicia Keys soll ihr Blackberry-Gerät mit auf Tour nehmen und Musikvideos damit erstellen. In jeder Stadt, in der sie vorbeikommt, wird ein Clip aufgenommen. Dumm nur, wenn ein Star – der sich im vergangenen Jahr noch als iPhone-Junky geoutet hat – seinem ehemaligen Liebling nicht von heute auf morgen abschwören kann. Und so kam es, wie es kommen musste. Am Morgen nach der Verleihung der Grammy-Awards twitterte Keys an ihre knapp 11,4 Millionen Follower eine kurze Nachricht: „Started from the bottom now were here!“ hieß es darin. Eine eher harmlose Nachricht, würde Twitter nicht anzeigen, von welcher App ein Tweet abgeschickt wird.

Und so dauerte es nicht lange, bis ein Screenshot des Tweets die Runde machte. Dort ist deutlich zu erkennen, dass die Nachricht von der offiziellen Twitter-App fürs iPhone gesendet wurde. So viel also zur exklusiven Blackberry-Partnerschaft.

Irgendjemand muss Keys auf den Fehler hingewiesen haben. Denn es dauerte nicht lange, bis sie sich wieder zu Wort meldete und verkündete: „Was zum Teufel ist da passiert? Anscheinend wurde ich gehackt… […] das war nicht mein Tweet :-(„ teilte sie all denen mit, die es wissen wollten.

Doch auch wenn es durchaus sein mag, dass jemand anderes unter ihrem Namen die Nachricht gesendet hat: Merkwürdig klingt diese Erklärung schon. Denn auf Bildern, die Keys während der Grammy-Verleihung per Twitter veröffentlicht hat, ist deutlich zu erkennen, dass vor ihr auf dem Tisch neben einem Blackberry Z10 auch zwei iPhones liegen. Und augenscheinlich wollte nicht jeder der Erklärung der Sängerin Glauben schenken. Der AllthingsD-Autor Mike Isaac – dafür bekannt, selten ein Blatt vor den Mund zu nehmen – twitterte:

Wenig später schob er hinterher:

und dann noch:

Was lernen wir daraus? Erstens: Vor dem Twittern Smartphone checken. Zweitens: Wer braucht schon Creative Directors? Wenn man sich die Firmen ansieht, die auf solche Unterstützung setzen, dann wird deutlich, dass diese sich längst auf einem absteigenden Ast befinden. Von cool kann gar nicht mehr die Rede sein. Und drittens: Dieser Blogeintrag ist gar nicht von mir.

Ich wurde gehackt!!

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