Wollen Sie diesen Bewerber wirklich kaufen?

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Um unsere Ziele zu erreichen, sind wir nur allzu gern bereit, die eigene Privatsphäre aufs Spiel zu setzen. Wir legen ausführliche Profile in Netzwerken an, schreiben detailliert, wo und wie lange wird irgendwo gearbeitet haben. Wir entblößen uns vor der Welt – denn die Welt könnte uns unsere Offenheit ja honorieren. Allerdings reicht ein Auftritt bei Xing, LindedIn und About.me heute kaum noch aus, um aus der Masse herauszuragen. Auf der Suche nach einem Job wird es immer wichtiger, die eigene Darstellung im Internet zu professionalisieren. Dabei ist Kreativität gefragt. Kreativität, die sich lohnen kann. 

Erst kürzlich machten in den einschlägigen Netzwerken wieder mehrere außergewöhnliche Bewerbungen die Runde. So hatte zum Beispiel ein junger Brite in London eine Plakatwand gemietet und dort für sich geworben.

In Deutschland ging am 14. Januar ein Blog-Eintrag von Christine Heller aka @punktefrau online. Darin erklärt die 27-Jährige, dass sie auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sei. Mit Video, Grafik und ausführlicher Beschreibung geht sie auf ihre Kenntnisse und Fähigkeiten ein. Dank sozialer Netzwerke machte der Eintrag innerhalb kürzester Zeit die Runde. Er wurde tausendfach gelesen und geteilt. Wer bisher noch nichts von @punktefrau gehört hatte, dem war sie nun ein Begriff. In der Hoffnung auf einen neuen Job hat sich Heller noch mehr an die Öffentlichkeit gewagt, als schon zuvor. Denn einen Blog und eine umfangreiche Twitter-Followerschaft hatte sie bereits. Das half ihr auch dabei, ihre „Bewerbung“ möglichst schnell möglichst breit zu streuen. Denn eine Idee kann noch so gut sein. Wenn sie niemand sieht, ist die Mühe umsonst.

Am vermutlich kreativsten war jedoch Philippe Dubost. Der Franzose hat kurzerhand die Oberfläche des Online-Versandhauses Amazon nachgebaut. Nun „verkauft“ er sich dort an einen potenziellen neuen Arbeitgeber.

Die Süddeutsche schreibt passend dazu, dass man heutzutage eine Marke sein muss, wenn man auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben möchte: „Anscheinend braucht jeder, der einen Job will, erst einmal eine eigene Internetseite, einen Blog und am besten noch einen Youtube-Kanal, um sich zu präsentieren und um aufzufallen.“

Häufig reichen die vielzitierten 15 Minuten Ruhm, damit es klappt. Die 22-jährige Maxi Rüggeberg fällt ebenfalls in diese Kategorie. Sie schrieb sich vor einigen Monaten ihren Frust über die Bezahlung angehender Journalisten von der Seele und veröffentlichte den Text in ihrem Tumblr-Blog. Der Beitrag machte schnell die Runde und auch größere Medien griffen die Geschichte bald auf. Mittlerweile macht Rüggeber ihr Volontariat beim Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. Ihr jetziger Chef war über den Blogeintrag auf sie aufmerksam geworden.

Es gibt noch viele andere Beispiele, in denen es Menschen geschafft haben, potenzielle Arbeitgeber durch ihre Kreativität, ihre Taten und ihre Offenheit auf sich aufmerksam zu machen. Ich erinnere mich an einen iPhone-Hacker, der irgendwann von Apple ein Angebot bekam. Auch bei Microsoft soll es eine ähnliche Geschichte geben.

Die Fragen, die sich nun stellen, lauten: Wie wird es in zehn Jahren aussehen? Wie wird man noch einen Job finden, wenn jeder bloggt und Bewerbungen wie die oben beschriebenen Alltag sind. Gibt es denn eine Möglichkeit, noch weiterzugehen? Wird der Seelenstriptease irgendwann langweilig, gar ein Auslaufmodell? Ich weiß es nicht. Aber bis es soweit ist, freue ich mich immer wieder über die tollen Ideen, die manche Bewerber haben. Weiter so.

Update: Am Samstag habe ich in Frankfurt die Ausstellung Half-a-Wind von Yoko Ono besucht. Dabei bin ich über folgenden selbstverfassten Lebenslauf der Witwe von John Lennon gestolpert. So kann man es natürlich auch machen. Vielleicht versuche ich das beim nächsten Mal einfach auch:

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